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Was ist Gestationsdiabetes?

Was ist Gestationsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes ist eine Variante der Zuckerkrankheit, also eine Erhöhung der Blutzuckerwerte, die erstmals während der Schwangerschaft festgestellt wird. Falls bei Ihnen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, sind Sie nicht allein. Laut Schätzungen der International Diabetes Federation (IDF) war weltweit 1 von 7 Geburten im Jahr 2015 von Schwangerschaftsdiabetes betroffen*. Damit ist dies eines der häufigsten Gesundheitsprobleme während der Schwangerschaft.

Möglicherweise sind Sie wegen Ihrer Diagnose nervös, verängstigt oder auch verärgert. Diese Gefühle sind normal. Tatsache ist, dass Frauen unabhängig von ihrem Hintergrund und von ihren Lebensgewohnheiten hinsichtlich Ernährung und körperlicher Bewegung einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln können. Denken Sie daran, dass Sie nicht schuld an Ihrer Diagnose sind. Wenn Sie die Anweisungen Ihres behandelnden Arztes befolgen, wird die Schwangerschaft sicher verlaufen.

Die gute Nachricht ist, dass die meisten Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes nach der Geburt ihres Kindes keinen Diabetes mehr haben. Normalerweise verschwindet ein Schwangerschaftsdiabetes mit der Entbindung des Kindes. Wenn bei Ihnen jedoch einmal ein Schwangerschaftsdiabetes aufgetreten ist, besteht ein höheres Risiko eines erneuten Auftretens bei der nächsten Schwangerschaft: Studien haben gezeigt, dass bei etwa 1 von 3 Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes dieser auch bei einer nachfolgenden Schwangerschaft auftritt. Zudem besteht ein höheres Risiko, später einmal Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

Was verursacht Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)?

Die Mediziner wissen nicht genau, wodurch Schwangerschaftsdiabetes ausgelöst wird; allerdings gibt es einige Hinweise.

Ihre Plazenta versorgt und ernährt Ihr Baby, während es heranwächst. Hormone aus der Plazenta helfen dem Baby, sich zu entwickeln. Aber diese Hormone blockieren auch die Wirkung des körpereigenen Insulins, sodass es weniger wirksam ist. Zum Schwangerschaftsdiabetes kommt es, wenn Ihr Körper nicht in der Lage ist, das gesamte für die Schwangerschaft benötigte Insulin zu produzieren und zu verwenden. Dadurch erhöht sich die Glucosekonzentration im Blut.

Manche Frauen haben ein höheres Risiko, einen Schwangerschaftsdiabetes zu entwickeln:

  • Bei Übergewicht vor der Schwangerschaft
  • Bei einem Alter von mehr als 25 Jahren
  • Falls bei einer vorangegangenen Schwangerschaft bereits ein Schwangerschaftsdiabetes aufgetreten ist
  • Falls in der Familie Fälle von Diabetes bekannt sind
  • Bei afroamerikanischer, asiatischer, hispanischer oder indianischer Abstammung

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert?

Die meisten Frauen werden im Rahmen der ärztlichen Betreuung ihrer Schwangerschaft zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche routinemäßig auf Schwangerschaftsdiabetes getestet. Falls Sie ein hohes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes haben, wird Sie Ihr behandelnder Arzt früher und/oder mehr als einmal während Ihrer Schwangerschaft testen.

Bei der Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes bekommen Sie eine süße Flüssigkeit zu trinken. Nach einer Stunde wird eine Blutprobe entnommen, um zu überprüfen, wie Ihr Körper den Zucker verarbeitet hat. Falls bei diesem Test ein erhöhter Blutzuckerwert festgestellt wird, werden Sie gebeten, einen weiteren Test machen zu lassen. Dabei müssen Sie über Nacht nüchtern bleiben und am nächsten Tag erneut eine süße Flüssigkeit trinken. Anschließend werden mehrere weitere Bluttests durchgeführt. Falls Ihr Blutzuckerwert weiterhin erhöht ist und die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes gestellt wird, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt einen Plan zur Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes vorstellen.

Warum ist es wichtig, Schwangerschaftsdiabetes zu behandeln?

Als Mutter haben Sie den Instinkt, Ihr Kind zu schützen. Sobald die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes gestellt wurde, ist es wichtig, diesen umgehend zu behandeln, um Ihre Gesundheit und die Gesundheit Ihres Kindes zu schützen. Falls ein Schwangerschaftsdiabetes unbehandelt bleibt, können folgende Probleme auftreten:

  • Eine höhere Wahrscheinlichkeit, ein besonders großes Kind mit einem Gewicht von mehr als 9 Pfund (4 kg) auf die Welt zu bringen. Man spricht dann von Makrosomie. Dadurch besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit
    • für Probleme und Verletzungen während der vaginalen Entbindung, und
    • für einen Kaiserschnitt.
  • Ein hohes Risiko für eine Frühgeburt und für Atemprobleme (Atemnot) des Neugeborenen
  • Ein hohes Risiko für niedrige Blutzuckerwerte (Hypoglykämie) Ihres Kindes nach der Entbindung
  • Eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Präeklampsie bei Ihnen (Bluthochdruck und Leber- oder Nierenprobleme)

Wenn Sie den ärztlichen Behandlungsplan einhalten und Ihren Schwangerschaftsdiabetes unter Kontrolle halten, kann das Risiko für diese Komplikationen drastisch reduziert werden.

Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Wenn bei Ihnen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wurde, wird es Sie beruhigen, zu erfahren, dass die Gegenmaßnahmen normalerweise nicht kompliziert sind.

  • Zunächst wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt eine gesunde, kohlenhydratkontrollierte Ernährung und körperliche Bewegung empfehlen. In vielen Fällen werden diese Schritte ausreichen, Ihre Blutzuckerwerte während der restlichen Schwangerschaft unter Kontrolle zu halten.
  • Unter Umständen werden Sie von einem Ernährungsberater unterstützt, um einen geeigneten Ernährungsplan aufzustellen. Dabei erfahren Sie, wie Sie die Menge und Arten der aufgenommenen Kohlenhydrate und damit Ihren Blutzuckerwert kontrollieren und gleichzeitig das Wachstum Ihres Kindes weiter unterstützen können. Möglicherweise werden Sie gebeten, ein Ernährungstagebuch zu führen und Ihr Gewicht zu verfolgen.
  • Unter Umständen müssen Sie Ihren Blutzuckerwert täglich zu Hause mit Hilfe eines Blutzuckermessgeräts überprüfen. Keine Sorge, es gibt moderne, anwenderfreundliche Blutzuckermessgeräte für die Anwendung zu Hause. Ihre medizinischen Ansprechpartner können Ihnen ein Gerät empfehlen und zeigen, wie es verwendet wird. Die Messung des Blutzuckerwerts wird Ihnen und Ihrem behandelnden Arzt helfen, den Schwangerschaftsdiabetes unter Kontrolle zu bekommen.
  • Normalerweise wird der Blutzuckerwert mindestens viermal pro Tag gemessen, gewöhnlich in nüchternem Zustand und dann 1-2 Stunden nach dem Essen. Ihr behandelnder Arzt oder ein anderer medizinischer Ansprechpartner wird Ihnen erklären, wie häufig Sie messen müssen und in welchem Zielbereich Ihr Wert liegen soll. Denken Sie daran, Aufzeichnungen über die Blutzuckermessungen mit dem Zeitpunkt der Messung und dem gemessenen Wert zu führen, und auch festzuhalten, ob die Messung vor oder nach dem Essen bzw. wie lange nach dem Essen sie durchgeführt wurde.
  • Unabhängig davon, ob Sie Schwangerschaftsdiabetes haben, kann körperliche Bewegung während der Schwangerschaft dazu beitragen, dass Ihr Körper das körpereigene Insulin besser nutzt und den Blutzuckerspiegel besser kontrollieren kann. Nehmen Sie sich 30 Minuten pro Tag Zeit (5 Tage die Woche). Viele Schwangere gehen gerne spazieren oder Schwimmen. Falls Sie andere Aktivitäten bevorzugen, fragen Sie zunächst Ihren behandelnden Arzt, ob Sie diese fortsetzen dürfen.

Während Ihrer Vorsorgeuntersuchungen werden möglicherweise auch Ihr Blutdruck und Urin überprüft. Zudem besprechen Sie Ihre Blutzuckerwerte, wie Sie sich ernähren, wie häufig Sie körperliche Bewegung hatten und wie viel Gewicht Sie zugenommen haben. Auch das heranwachsende Kind wird genau beobachtet. Mit allen diesen Maßnahmen kann festgestellt werden, ob der Behandlungsplan funktioniert und wann möglicherweise Änderungen erforderlich sind.

Falls die Umstellungen bei der Ernährung und körperlichen Bewegung nicht ausreichen, um die Blutzuckerwerte unter Kontrolle zu halten, wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt möglicherweise Diabetesmedikamente empfehlen, unter Umständen auch Insulininjektionen für die übrige Dauer der Schwangerschaft.

Anwendung von Medikamenten (Blutzuckertabletten, Insulin)

Falls Sie Blutzuckertabletten oder Insulin verschrieben bekommen, müssen Sie stets bedenken, dass dies kein Anzeichen für ein Versagen Ihres Diabetesmanagements ist. Tatsache ist: Ihr Körper ist vermutlich einfach nicht in der Lage, ausreichend Insulin zu produzieren, um sich selbst und das heranwachsende Kind zu versorgen. Für Ihren und den Schutz Ihres Kindes ist es wichtig, die Empfehlungen Ihres behandelnden Arztes zu befolgen. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie nach der Geburt keine Diabetesmedikamente mehr nehmen müssen.

Falls Sie Insulin benötigen, bedeutet dies, dass Sie es durch eine Injektion oder mithilfe anderer Geräte verabreicht bekommen (beispielsweise über eine Insulinpumpe). Ein Familienmitglied kann in die Verabreichung eingewiesen werden und Ihnen helfen, Ihr Insulin wie verschrieben anzuwenden. Glücklicherweise sind die Nadeln für die Verabreichung von Insulin heutzutage so klein und dünn, dass die Injektion praktisch schmerzlos verläuft.

Ihr behandelnder Arzt wird Ihnen erklären, wann Sie Ihr Insulin bekommen müssen und wie viel. Unter Umständen wird Ihnen Ihr behandelnder Arzt im weiteren Verlauf der Schwangerschaft eine Anpassung der Behandlung empfehlen.

* IDF Diabetes Atlas (7th Ed.)(2015). International Diabetes Federation: Brüssel, Belgien.
Onlineversion aufgerufen am 20. November 2016 @ http://www.diabetesatlas.org

^ MacNeill et al; Diabetes Care April 2001; Vol. 24 (4): 659-662. Rates and Risk Factors for Recurrence of Gestational Diabetes. Onlineversion aufgerufen am 21. November 2016 @ http://care.diabetesjournals.org/content/24/4/659

Mayoclinic: Rochester (MN); c1998-2016. Aufgerufen am 8. Juli 2016 @ http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/gestational-diabetes/basics/complications/con-20014854

PubMed Health - U.S. National Library of Medicine: Bethesda, MD. 2002-Gestational Diabetes: A Guide for Pregnant Women. Aufgerufen am 21. November 2016 @ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmedhealth/PMH0004900/

CO/LFS/1016/0115, CO/LFS/0416/0039, CO/LFS/1116/0125